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Pressemitteilung: Das Eigene und das Fremde – kulturelle Vielfalt erfordert die Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Identität

Die Mitarbeitenden der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland waren gespannt. In den Räumen des Muslimischen Gemeindezentrums DITIB an der Ochtruper Starße in Steinfurt sollte ein Fortbildungstag zur „Interkulturellen Kompetenz“ stattfinden. Viele der über 40 Mitarbeitenden aus der Region Steinfurt hatten das Gemeindezentrum noch nie von Innen gesehen. Sie staunten nicht schlecht und lobten die Größe, die freundliche und helle Ausstrahlung der Räume und die gute Versorgung mit Getränken und Gebäck durch Zuhal Koc, die Vorstandsmitglied bei DITIB ist und gleichzeitig Mitarbeiterin der Evangelischen Jugendhilfe.

In beinah allen Arbeitsbereichen der Evangelischen Jugendhilfe sind die Mitarbeitenden zurzeit mit jungen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen beschäftigt. Diese Arbeit stellt die Pädagoginnen und Pädagogen vor besondere Herausforderungen. In Wohngruppen, Offenen Ganztagsschulen, in Pflegefamilien, Flexiblen Hilfen und dem Jugendmigrationsdienst werden viele Kinder, Jugendliche und Familien unterschiedlicher Herkunft betreut. Aktuell sind es über über 90 Kinder und Jugendliche, viele davon befinden sich in Gastfamilien, Wohngruppen oder im sozialpädagogisch betreuten Wohnformen. „Deshalb ist es wichtig, dass sich die Kolleginnen und Kollegen mit ihrer eigenen Haltung zu anderen Kulturen auseinandersetzen, mit ihren Ängsten und Wünschen“ erläutern die Pädagogischen Leiterinnen Brigitte Lysk und Karin Beckmann.


Sandra de Vries

Für den Fortbildungstag wurde die Ethnologin und Trainerin für Interkulturelle Kompetenz, Sandra de Vries, eingeladen. Sie führte die Gruppe professionell, mit viel Esprit und Fachwissen durch den Tag: Zunächst müsse sich jeder und jede mit der eigenen kulturellen Identität auseinander setzen. „…Je besser ich weiß, wer ich selber bin, desto vorbehaltloser und offenen kann ich anderen begegnen!“, so die Ethnologin. Dazu gehören zum Beispiel das Bewusstsein über die eigene Erziehung und persönlichen Wertvorstellungen. Eine besondere Rolle spielte die Auseinandersetzung mit den Familienstrukturen und der Kindheit in muslimisch geprägten Gesellschaften. Mit diesem Hintergrundwissen sei es einfacher, bestimmte Verhaltensweisen von Kindern und Eltern besser einordnen zu können. Wichtig war auch das Thema Kommunikation. „…..Wenn Sie unsicher sind, welche Art der Begrüßung angemessen ist oder ob Sie beispielsweise die Wohnung mit oder ohne Schuhe betreten sollten, fragen Sie einfach, sagen oder zeigen Sie, was Sie vorhaben!“ Das helfe in den meisten Fällen, die Situation gut zu meistern.

Die Evangelische Jugendhilfe Münsterland stellt sich schon seit einiger Zeit den neuen Aufgaben durch den vermehrten Zustrom von Flüchtlingen. 2014 wurde das Clearinghaus in Ochtrup eröffnet, in dem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Obhut genommen werden, um dann in geeignete Wohnformen wie Gastfamilien oder Wohngruppen vermittelt zu werden. In den Offenen Ganztagsschulen und Kindertagesstätten gibt es besondere Sprachförderung und Betreuung von geflüchteten Kindern. Ein besonderes Augenmerk liegt zurzeit auf der schulischen und beruflichen Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen und der Vermittlung von Sprachkenntnissen. Dazu werden Kooperationen mit Firmen, Kommunen und Einrichtungen der Berufspädagogik weiterentwickelt.


Über die Evangelische Jugendhilfe Münsterland:
Die Evangelische Jugendhilfe Münsterland gGmbH ist ein regionaler Anbieter von Leistungen der Kinder- Jugend- und Familienhilfe, der mit Hilfe von derzeit über 800 Mitarbeitenden Kindern, Jugendlichen und deren Familien neue Perspektiven vermittelt. An über 90 Standorten im gesamten Münsterland werden in Wohngruppen, Flexiblen Hilfen und Mobilen Betreuungen Hilfen zur Erziehung angeboten. Darüber hinaus ist die Evangelische Jugendhilfe Träger von berufspädagogischen und familienorientierten Förderprojekten, von Schulsozialarbeit und von Kindertagesstätten.