Bilderleiste
Fachaustausch zum Thema Flucht und Migration

Veranstaltung mit Dietrich Eckeberg - Referent für Flüchtlingsarbeit und junge Zugewanderte der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe am 21.4.15

Unsere Arbeit mit Flüchtlingen und jungen Zugewanderten nimmt inzwischen immer mehr Raum ein. Durch die zunehmende Zahl von Flüchtlingen weltweit sind die Kommunen durch die ankommenden Familien und Einzelpersonen in steigendem Maße betroffen. Dies betrifft ebenfalls die Sozialräume, in denen wir tätig sind. Die Versorgung der Familien mit Wohnraum, die Betreuung von Kindern über den Tag sowie die Beschulung stellt die Kitas und Schulen mit dem offenen Ganztag (OGS) sowie die Gemeinden vor hohe Herausforderungen.



Viele der ankommenden Menschen haben durch die Erlebnisse im Heimatland oder auf der Flucht Traumatisierungen erlitten. Die häufig erschöpften Menschen suchen Orientierung in dieser schwierigen Lage.

Wir selber haben u.a. durch die lange Erfahrung unseres Fachdienstes JMD (Jugendmigrationsdienst) sowie mit der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und unseren Krisendienst einen ganz direkten Kontakt zu Flüchtlingen und deren Lebenssituationen erhalten. Nicht zuletzt dadurch eröffneten wir im letzten Herbst unser Clearing-Haus für junge Flüchtlinge in Ochtrup. Die OGSsen und die Kitas beschreiben, dass zunehmend Kinder in den Schulbetrieb und in der Kindertagesbetreuung aufgenommen werden. Hier ist geplant, dass zukünftig die Kitas für die Betreuung von Kindern aus Flüchtlingsfamilien durch die Kostenträger besser ausgestattet werden sollen.

Es war für uns besonders interessant, am 21.4.2015 mit Herrn Eckeberg in einen Fachaustausch zu dem Gesamtthema Flucht und Migration treten zu können. Thematisch passend konnten wir dazu die Räume der Türkischen Gemeinde DiTiP in Burgsteinfurt nutzen. Zahlreiche Mitarbeitende aus den Wohngruppen, den Flexiblen/Ambulanten Hilfen, sowie aus den Kitas und den Offenen Ganztagsgrundschulen interessierten sich für das Thema und hatten ihre Fragen dazu mitgebracht. Es ergab sich auch die Möglichkeit, die Gemeinderäume und die neue Moschee der DiTiP kennen zu lernen.

Herr Eckeberg berichtete in einem umfangreichen und interessanten Vortrag über die Geschichte der Fluchtgründe von Menschen aus den afrikanischen Staaten, dem Balkan sowie aus vielen weiteren Ländern weltweit. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion über das politische Bemühen der europäischen Staaten zu diesen Flüchtlingsströmen, dabei wurden sowohl die aktuellen Termine der verschiedenen Flüchtlingsgipfel mit einbezogen als auch die historischen Zusammenhänge dazu erörtert. Häufig ist die Unterbringung der Flüchtlinge zu bemängeln, da es häufig keine geregelten Standards dazu gibt. Informativ war der Austausch zur Planung des neuen Gesetzes zur „Sicherstellung kindgerechter Versorgung und Unterstützung von jungen ausländischen Minderjährigen“, welches im Laufe diesen Jahres verabschiedet werden soll, insbesondere mit der Thematik der Zuweisung nach dem Königsteiner Schlüssel und den sich daraus ergebenden Herausforderungen.

Die Verpflichtung zur Aufnahme besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge wie z.B. Minderjährige, Menschen mit schweren Erkrankungen und/oder psych. Erkrankungen, Opfer von Menschenhandel, sexueller Gewalt sowie von Folteropfern gestaltet sich im Alltag für die Aufnahmestaaten in Europa, der Bundesrepublik mit ihren Bundesländern und Kommunen sehr komplex, so dass viele Fragen bei den TeilnehmerInnen offen bleiben mussten. Geklärt werden konnte jedoch, dass der Zugang zu Beratungsangeboten sowie den Leistungen der Sozialgesetzbücher sich über den Status des Aufenthaltes regelt. Ankommende Flüchtlinge haben häufig zunächst nur einen Anspruch auf eine medizinische Grundversorgung, auch wird von den Betroffenen nicht immer bedacht, ihre Traumatisierungen in das unverzüglich eröffnete Asylbegehren einzubeziehen. Neben anderen Veränderungen in der Asyl-Gesetzgebung gab es eine Öffnung in Bezug auf die Residenzpflicht, die jedoch in den Bundesländern unterschiedlich geregelt ist. Insgesamt gab es einen guten Einblick in die sehr komplizierte Systematik der verschiedenen Rechtsgebiete.

Neben den vielen Informationen zum Aufenthaltsrecht und dem Asylrecht fand ein anderes Thema das Interesse der TeilnehmerInnen: der persönliche Zugang zum Thema Flucht. Vor allem durch den zweiten Weltkrieg gibt es in den meisten Familien der Bundesrepublik Berührungspunkte mit dem Thema. Das kann den Zugang zu Flüchtlingen und zu einer Willkommenskultur ermöglichen. So entwickeln sich gegenwärtig Unterstützungsangebote für Flüchtlingsfamilien im Kreis Steinfurt. Die Stadt Steinfurt hat in einer gemeinsamen Veranstaltung mit unserem Jugendmigrationsdienst (JMD) im Februar viele Freiwillige gefunden, die sich mit der Thematik befassen möchten und auch den Flüchtlingen ihre Hilfe anbieten möchten. Gemeinsam mit unserer Mitarbeiterin des JMD, Barbara Schonschor, werden hierzu Angebote entwickelt.

Insgesamt war es für die ca. 50 Teilnehmenden eine informative und gelungene Veranstaltung!

Brigitte Lysk